Der Steuerstundungseffekt, im Kontext der Altersvorsorge meist nachgelagerte Besteuerung genannt, kann auf zwei verschiedene Arten hilfreich sein

  • Geld, das man an den Fiskus abgeführt hätte, kann Ertrag erwirtschaften, bevor man es abführen muss.
  • Der persönliche Einkommensteuersatz im Rentenbezugsalter ist in der Regel geringer als in der Ansparphase.

Ertragseffekt

Nehmen wir an Tims Grenzsteuersatz für die Einkommensteuer ist 30%. Tim hat zudem einen private Riesterversicherung abgeschlossen. Der Einfachheit halber gehen wir von einem Mustervertrag aus, der keine laufenden Kosten oder Sonstiges hat. Er hat einen festen Zins von 2%. Zudem beträgt der Rentenfaktor 30 Euro pro 10.000 Euro angespartem Vermögen. Der Vertrag läuft über 30 Jahre. Tim hat die Wahl zwischen (A) Steuern sofort bezahlen und hinterher nur auf den Gewinn abzüglich der eingezahlten Beiträge Steuern zu bezahlen oder (B) jetzt keine Steuern zu bezahlen und hinterher auf den Gesamtbetrag Steuern zu bezahlen. Im Falle von (A) zahlt er 100 Euro jeden Monat, im Falle von (B) 70 Euro . Im Falle von B hat er dann schon 30 Euro Steuern bezahlt.

Im Falle von (A) muss Tim auf den gesamten Betrag 30% zahlen. Da sind bei 50.000 Euro insgesamt 15.000 Euro. Er behält also 35.000 Euro.

Im Falle von B hat er insgesamt knapp 25.000 Euro eingezahlt und mittlerweile insgesamt knapp 35.000 Euro angespart. Er muss auf die 10000 Euro Differenz noch 30% Steuern zahlen. insgesamt also knapp 3.000 Euro. Insgesamt hat er also knapp 32.000 Euro angespart.

Dieser Effekt verstärkt sich, je stärker der Zinseszins-Effekt wirken kann. Das Geld, das Tim im Fall (A) am Beginn noch nicht abgeführt hat, kann noch Ertrag erwirtschaften, bevor er es abführen muss. Und den Gewinn dieses “virtuellen” Kapitals, das Tim noch hatte, muss er nur mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Steuer im Alter

Der zweite Effekt lässt sich auch leicht erklären. Im Alter zahlt man normalerweise weniger Steuern, da man nicht ganz so viel verdient bzw. mehr absetzen kann. Wenn Tim im Alter nur 20% statt 30% Einkommenssteuer zahlt, ist der Unterschied noch gravierender.

Im Fall (A) müsste er dann 10.000 Euro abführen und könnte 40.000 Euro behalten. Im Fall (B) müsste er auf die 10.000 Euro Differenz – seinen Ertrag – noch 2000 Euro Steuern zahlen und wäre bei 33.000 Euro.

Würde man sich alles im Alter auf einmal auszahlen lassen, wäre natürlich die Steuerlast viel, viel größer in diesem einen Jahr. Da man sich das Kapital aber in der Regel nach und nach auszahlen lässt, kann man dieses Beispiel dennoch zur Illustration dieses Effekts gut nutzen. Nimmt Tim in einem Jahr 40.000 Euro ein, zahlt er natürlich viel mehr Steuern. Wenn er eine monatliche Rente von 120 Euro wählt und mit seinem persönlichen Steuersatz versteuert, zahlt er weniger Steuern. Der Steuersatz kann dann auch mal bei 10% liegen. der Unterschied zwischen Szenario A und B wäre dann nur noch größer.


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