Dieser Leitfaden soll einen schnellen Überblick liefern, wie man sich finanziell absicher kann!

I. Vermögenseffekte verstehen

Der Zinseszins-Effekt, die Inflation, der Steuerstundungseffekt und der Cost-Average-Effekt sind absolutes Grundlagenwissen. Ohne dieses kann man nicht verstehen wie Kapital zielgerichtet aufgebaut werden kann. Schlimmer, man kann Vorschläge selbst nicht beurteilen, was bedeutet, dass man auf andere angewiesen ist. Gerade in Punkto Geld ist das ein sehr schlechter Ausgangspunkt.

II. Basale Versicherungen

Was wirklich jeder haben sollte, ist eine Krankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung. Über alles andere kann man sich streiten. Darüber sind dann je nach individueller Situation eine Hausrat-, Rechtsschutzversicherungen und eine Berufsunfähigkeitsversicherung anzusiedeln.

III. Rentenlücke berechnen

Das ist immens wichtig. Natürlich kann man nicht sagen, wie alt man wird oder wie sich die Inflation entwickelt, wenn man bspw. in 30 Jahren in Rente geht. Also sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Durchschnittlich steigen ab einer gewissen Berufserfahrung die Löhne nur noch durch den Inflationsausgleich – also mit der Inflation. In dem Beitrag zur Rentenlücke gehe ich darauf ein, dass das Rentenniveau sukzessive abgesenkt wird auf ca. 40% des letzten Lohns bis 2030. Vermutlich wird das Rentenniveau nicht plötzlich wieder steigen. Zumindest ist das das Szenario, von dem man ausgehen muss, wenn man sich absichern will. Vereinfacht kann man sein jetziges Netto-Einkommen nehmen und dann davon 40% nehmen. Wenn man denselben Bedarf wie jetzt hätte, muss man also irgendwie die fehlenden 60% ausgleichen. Das wären z.B. bei 3000 € Netto jetzt 1800 €, die ich monatlich auftreiben müsste – wenn ich jetzt in Rente ginge. Wenn ich aber erst in dreißig Jahren in Rente gehe, dann wird das aufgrund der Inflation mehr sein. Rechne ich mit 1,5% Inflation im Jahr über dreißig Jahre wären das 2813€. D.h. ich müsste irgendwie dafür sorgen, dass ich in dreißig Jahren jeden Monat irgendwo 2813€ herbekomme. Fast soviel, wie ich derzeit im Moment insgesamt verdiene.

IV. Sparrate definieren

Auf wieviel Geld werde oder kann ich jetzt verzichten, um obiges Ziel zu erreichen. Gute Sparraten gehen bis in die 20%-25% des Nettoeinkommens. Aber auch schon 5% sind ein Anfang. Oder ein 25€ ETF-Sparplan 😉

V. Versicherungskonzepte verstehen

Hier gehts allgemein um die geförderte Altersversorge. Um es kurz zu machen: ungeförderte kaptialgedeckte Altersvorsorge bei Versicherungen ergibt so gut wie nie Sinn. Das Problem gilt aber für alle Rentenversicherungen… Rentenversicherungen sind Langlebigkeitsversicherungen. Gängig ist bei Versicherungen, dass man mindestens 30 Jahre Rente beziehen muss, um soviel aus dem Vertrag herauszubekommen, wie man zum Zeitpunkt des Renteneintritts im Vertrag – mit ohnehin niedrigen Renditen – angespart hat… Das sich diese Wette für die Versicherungen lohnt, steht außer Frage. Das ist im eigentlichen Sinne auch keine Wetter mehr. Die Bank gewinnt – fast – immer.
Es geht um folgende Varianten, die man sich anschauen kann

  • Riesterversicherung: Ergibt Sinn, wenn man nichts verdient und/oder Kinder hat – zumindest solange man Kindergeld bezieht. Hier erhält man schlicht vom Staat die Zulage geschenkt. Bei Kindern, die nach 2008 geboren wurden sogar 300€. Sobald diese Zulagen wieder wegfallen, sollte man sofort die Versicherung stilllegen. Eine weitere Variante wäre noch, wenn man viel verdient. Man erhält dann durch den hohen persönlichen Steuersatz viel zurück. Zumindest vorerst, da man später ja das Einkommen aus der Riesterrente dann versteuern muss: Steuerstundungs-Effekt. Ich würde es aber dennoch nicht empfehlen. Der höhere Zinseszins-Effekt besserer Anlagen überholt relativ schnell den Steuerstundungs-Effekt.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Ergibt auch hier in der Regel nur Sinn, wenn der Arbeitgeber deutlich was dazulegt: z.B. ohne Eigenbeitrag oder 50/50. Und auch nur, wenn der Arbeitgeber einem diesen Betrag ausschließlich über diesen Weg und nicht über eine Gehaltserhöhung zur Verfügung stellt. Der Arbeitgeber muss gesetzlich nur deshalb etwas dazu tun, weil man den Arbeitgeberanteil der Krankenversicherung für die Beiträge in die BaV hinterher selbst übernehmen muss, d.h. sowohl den AG- als auch den AN-Anteil (insgesamt ~20%) zusätzlich zur Einkommenssteuer. Erlaubt der AG einen Vertrag mit der reinen Beitragszusage (erklärt wird dies im Artikel dazu), dann gibt es Produkte, die im Wesentlichen ETF-Sparpläne sind. Die Beitragsgarantie ist dann nicht mehr gegeben. Im Sinne des Kapitalaufbaus aber ohnehin nicht wünschenswert.
  • Rürup-Rente: Ergibt eigentlich nie Sinn. Hier wirkt ausschließlich der Steuerstundungs-Effekt. Evtl. möchte man als Selbstständiger trotzdem eine Basisabsicherung. Dafür ist diese gedacht. Aber ich sehe hier eher keinen Wert.

VI. Langlebigkeit bedenken

Bei Rentenversicherungen sollte man immer bedenken, dass es sich um monatliche Zahlungen bis zum Ableben handelt. Es sind Langlebigkeitsversicherungen. Man kann das gut anhand des Rentenfaktors berechnen. Beim Rentenfaktor handelt es sich um den monatlichen Betrag den man pro 10.000€ angesparten Kapital innerhalb der Versicherung erhält. Bei einem Rentenfaktor von 14 müsste man rechnerisch 10.000€ / 14 / 12 Monate = 59 Jahre Rente beziehen um die 10.000 Euro zu erhalten, die man selbst – nach den hohen Kosten und niedrigen Renditen der Versicherungen – im Vertrag angespart hat. Bei einem Rentenfaktor von 30 wären es immer noch 27 Jahre, die man Rente beziehen müsste. Und das ist die Spanne des garantierten Rentenfaktors, die derzeit von den Versicherungen in Neuverträgen angeboten wird aber auch angeboten wurde. Das ist ein schlechtes Geschäft, solange man nicht wirklich lange lebt… Ich möchte hier trotzdem noch die Option erwähnen, dass man wirklich 60 Jahre in Rente sein könnte… dann würde man tatsächlich evtl. gegen die Versicherung gewinnen. Aber ehrlich …. nein. Zudem gibt es Sofortrenten, bei denen man direkt einen großen Betrag in eine monatliche Rente umwandeln kann.

Oder anders formuliert. Nehmen wir an, ich möchte wie in meinem obigen Beispiel 1800 € im Monat bei einem Rentenfaktor von 20 erhalten. Dann müsste ich 900.000 € (1800 €/20 * 10.000 €) ansparen, um diese monatliche Rente zu erhalten. In fast allen Fällen sollte oder würde man aber lieber direkt das Geld nehmen 😉 Und zwar aus gutem Grund.

VII. Benötigtes theoretisches Kapital berechnen

OK! Wieviel Kapital bräuchte ich jetzt, um bei einer angenommen Rendite von 5% ohne Kapitalverzehr 1.800 € monatlich entnehmen zu können – also ohne die Substanz anfassen zu müssen. Ich bräuchte im Jahr 12 * 1.800 € also 21.600 € wenn das 5 % sind wären 100 % die zwanzigfache Menge davon – grob: 450.000 €. Schon schaffbarer als obige 900.000 €. Das Beste ist: Falls ich sterbe, kann ich in diesem Fall immer noch 450.000€ vererben. Wäre ja ohne Kapitalverzehr 😉 Mit Kapitalverzehr müsste man sich das spezifisch ausrechen. Das fiele unter den Begriff Entnahmeplan. Hätte ich nur 300.000 € angespart, könnte ich knapp 23 Jahre bei einer angenommen weiteren jährlichen Verzinsung von 5% die 1.800 € entnehmen bis das Geld weg wäre. Ich könnte aber auch ewig 1200 € entnehmen. Was relativ schnell klar wird: Eigenes Kapital ist besser als jede Versicherung. Ich kann immer einen Entnahmeplan basteln, bei dem ich besser dastehe als mit der Verrentung der Versicherung, wenn ich nicht 50-100 Jahre in Rente bin.


Um die Dauer bis zum vollständigen Kapitalverzehr zu berechnen.










VIII. Kapitalaufbau planen

Jetzt weiß ich, wie viel Geld ich monatlich beiseite legen könnte, welche Summe ich monatlich haben müsste, um meine Rentenlücke auszugleichen, und welche Summe ich zum Rentenantritt haben müsste, um mir das zu ermöglichen. Vielleicht möchte man doch mehr zurücklegen, weil man das Geld ja auch für etwas anderes nutzen kann, wenn man über das Ziel hinausschießt 😉

Die Frage, die sich hier stellt, ist, wie möchte man den Kapitalaufbau betreiben? Grundsätzlich sind bei allen Möglichkeiten, echte Rendite zu erzielen, die Beiträge nicht(!) sicher. Am sichersten, auch gegenüber Versicherungen, sind am ehesten noch Staatsanleihen von Ländern, die eine hohe Bonität haben. Die werfen derzeit (2020) kaum etwas ab oder rentieren sogar negativ, weil der Leitzins bei 0% liegt und der Einlagenzins sogar negativ ist.

Die einzige Möglichkeit, relevante Renditen zu erwirtschaften, liegen an der Börse. Immobilien als Anlage machen schlicht erst ab einem gewissen, sehr großen Vermögen Sinn. Eine Immobilie auf Kredit zu kaufen, ist in fast allen Situationen vermögenstechnisch schlechter als Miete zu bezahlen und die Differenz zu den gesparten Kreditraten an der Börse anzulegen. Selbst wenn man ohne Fremdkapital eine Immobilie kauft, ist eine Anlage an der Börse desselben Kapitals in fast allen Zeiträumen rechnerisch besser.

Trotzdem ist es sinnvoll, so diversifiziert anzulegen, wie es geht, um das Klumpenrisiko zu vermeiden. Wenn zum Beispiel die klassische Automobilindustrie den Bach runter geht, diese aber 50% meiner Anlage ausmacht, dann wird auch mein Depot den Bach runter gehen. Das einzige sinnvolle kann hier nur sein, in den weltweiten Aktienmarkt zu investieren und zwar möglichst breit gestreut! Ein ETF-Sparplan auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets in einer 70/30 Gewichtung ist das leichteste, simpelste und kostengünstigste, um Kapital aufzubauen. Und man investiert in alle Aktien und bildet damit genau die Durchschnittsrendite auf dem Aktienmarkt ab. Die durchschnittliche Rendite von Aktien bzw. dem MSCI World lag bei längerer Anlage immer zwischen 5%-7%. Wenn man den Zinseszins-Effekt bedenkt, können wir noch einmal obiges Beispiel in Betracht ziehen. Ich muss von meinen 3000 € netto 432.000 € in 30 Jahren ansparen, wenn ich ohne Kapitalverzehr 1800 € monatlich entnehmen will.


Um den Kapitalaufbau bei einem Sparplan zu berechnen.














Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 5% muss ich 525€ jeden Monat sparen, um das zu erreichen. Wenn ich jetzt nur 350€ sparen kann, lande ich bei 286.000 €. Ich kann wahlweise ohne Kapitalverzehr 1000€ jeden Monat bei einer weiteren Rendite von 5% herausnehmen oder 16 Jahre 1.800 Euro. Aber ich habe Spiel. Hätte ich 286.000€ in einer üblichen Versicherung angespart würde ich bei einem Rentenfaktor von 20€ gerade einmal 572€ erhalten. Und da die Rendite viel geringer ausfällt, wäre ich auf die 286.000€ nur mit höherer Sparrate gekommen. Ich hätte hier bei einer angenommenen Netto-Rendite von 2%, die die meisten Versicherungen nach Kosten nicht einmal mehr erreichen, 581€ jeden Monat sparen müssen. Also mehr als das, was ich hätte sparen müssen, um auf die Summe zu kommen, die ich gebraucht hätte, um endlos 1.800€ jeden Monat entnehmen zu können. Die Tatsache, dass ich bei den Beiträgen der Versicherungen teils Steuern sparen kann, wird bei den geringen Netto-Renditen irrelevant.


IX. Depot eröffnen, Sparplan anlegen!

Das kann man sofort machen und ist ganz leicht 🙂