Worum handelt es sich bei der viel beschworenen Rentenlücke. Simpel gesagt: Das ist die Lücke zwischen dem, was man brauchen wird, und dem, was man bekommen wird – also zwischen dem letzten Nettoeinkommen und dem Nettoeinkommen als Renter.

Das Problem ist bekannt: In die gesetzliche Rente zahlen die meisten über das Bruttogehalt ein. Dadurch sammelt entsprechend Rentenpunkte, die dann schlussendlich mit dem Rentenwert multipliziert werden, um die gesetzliche Rente zu bestimmen. Und genau dieses Geld wird zu wenig sein. Zumindest aber deutlich geringer als das letzte Nettoeinkommen.

Nebenstehend sieht man eine offizielle Schätzung der Entwicklung des Renteniveaus. Das Rentenniveau ist die Relation zwischen der Höhe der Standardrente (45 Jahre Beitragszahlung) und dem Entgelt eines Durchschnittsverdieners.

Hier erkennt man auch sehr leicht die Rentenlücke. Nicht zuletzt sollte auch berücksichtigt werden, dass die Rentenlücke größer wird, wenn man nicht 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat. Das würde bei einer Rente mit 67 bedeuten, dass man ab dem 22. Lebensjahr durchgehend eingezahlt hat.

Stimmt diese Schätzung kann man durchaus grob sagen, dass, wenn sich politisch nicht etwas Gravierendes verändert, das Rentenniveau bei heute 30-40 Jährigen zum Renteneintritt bei 40 % oder sogar darunter liegen wird.

Gemeinsame Finanzschätzung von BMAS und Deutsche Rentenversicherung Bund, Herbst 2015.

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Der Grund für obige Entwicklung lässt sich ganz gut an nebenstehendem Szenario des Statistischen Bundesamtes ersehen. Die nachkommensstärkste – noch lebende – Generation geht gerade in Rente. In Summe hat diese und die nachkommenden Generationen im Verhältnis immer weniger Kinder. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Von einer Pyramide kann nicht die Rede sein. Immer weniger Menschen müssen immer mehr bereits aus dem Berufsleben ausgeschiedene finanzieren. Das ist Umlage-finanzierte Rentenmodell. Im eigentlichen Sinne finanziert man unmittelbar die derzeitigen Renter und spart nicht unmittelbar für die Rente. Durch die Rentenpunkte kann man sich bei der Verteilung eine bessere Gewichtung erarbeiten.


Beispiel

Gehen wir davon aus, dass Peter 4000 Euro brutto im Jahr 2050 verdient. Sagen wir er zahlt grob davon 20% Einkommensteuer und 20% Sozialabgaben. Bei ihm kommen netto vor Steuern also 3200 Euro und nach Steuern 2560 Euro. Bei einem Rentenniveau von 40% geht er also grob mit 1280 Euro (40% von 3200 €) netto in Rente. Da er hier vermutlich unter dem dem Steuerfreibetrag liegt, erhält er dies auch nach Steuern. Da kann er ein Fass aufmachen!

Wenn er also sein altes Netto-Gehalt sicherstellen will, muss er diese 1280 € Differenz (2560 € Gehalt – 1280 € Rente) im Monat vorher angespart haben müssen. Gehen wir davon aus, dass er knapp 20% Steuern darauf zahlen muss: Er muss dann 1600 € (80% von 1600 € sind 1280 €) im Monat dazu erhalten, um dasselbe Nettoeinkommen zu haben wie vor dem Renteneintritt. Die Versicherungen rechnen derzeit mit Rentenfaktoren um die 27 Euro pro 10.000 Euro angespartem Vermögen. Teilen wir diese 10.000 durch 27 Euro und abermals durch 12 Monate liegen wir bei ca. 30 Jahren (ca. 360 Monate) mit denen die Versicherung rechnet. Jetzt nehmen wir die 1600 Euro mal die 360 Monate. Dann landen wir da bei um die 580.000 Euro, die er ansparen müsste, um seinen Lebensstandard zu halten. Prost!

Im Grunde müsste er bei 2% Nettorendite über 650 Euro jeden Monat über 45 Jahre gespart haben. Bei 5% Rendite wären es nur knapp über 300 Euro jeden Monat gewesen.


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